Eigentlich wäre alles perfekt: Burg, Brücke, Fachwerk, blaue Stunde. Wäre da nicht die Jahreszeit. Denn ohne sattes Grün gilt so ein Bild bekanntlich nur als halb fertig. Also stehen hier kahle Bäume, winterlich ernüchtert, während die Burg tapfer versucht, mit warmem Licht Stimmung zu retten. Die Lahn fließt unbeirrt weiter, der Himmel liefert zuverlässig Blau – aber das Laub? Hat sich kollektiv in den Kompost verabschiedet. Fotografie ist eben auch die Kunst, zur falschen Zeit am richtigen Ort zu sein.
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Planetenweg ohne Filter | 24 mm, f/8
Vier Fotos von einem Planetenweg. Mehr braucht es nicht, um die Latte für diesen Blogbeitrag endgültig ins Bodenlose abzusenken. Kein Anspruch, keine Erkenntnis, kein Mehrwert – nur die konsequente Dokumentation einer Idee, die sich selbst nicht ernst nimmt.
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Übergang ohne Pathos
Am Fluss einer fränkischen Kleinstadt spannt sich eine Brücke, die keine Geschichten erzählen will. Sie steht einfach da, trägt zuverlässig und spiegelt sich selbstzufrieden im Wasser. Die historische Kulisse dahinter bleibt bewusst im Hintergrund – Architektur als Dienstleistung, nicht als Tourismusbroschüre.
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Geräte sind keine Haltung – warum Inventarlisten Orientierung nicht ersetzen
Es scheint wieder in zu sein, über die eigenen Geräte und über Software zu schreiben. Gab’s vor zwanzig Jahren schon einmal. Damals hießen die Beiträge „Mein Set-up“, heute heißen sie „Transparenz“. Der Inhalt ist derselbe: eine Liste. Ordentlich, vollständig, folgenlos.
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Burg Nassau oder: Echte Macht muss nicht laut sein
Hoch über dem Lahntal thront Burg Nassau als unübersehbare Markierung in der Landschaft: ein steingewordenes „Hier regieren wir“. Einst Stammburg der Grafen von Nassau, errichtet als Machtsymbol auf fremdem Boden, heute aufgeräumtes Ausflugsziel mit Aussicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, wurde der Bergfried pflichtbewusst restauriert und der Palas rekonstruiert – damit Geschichte wieder gut aussieht, wenn man sie besichtigt, fotografiert und anschließend bei Kaffee und Kuchen verdaut.
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Licht ohne Log-in
Es ist kalt. Der Schnee legt eine Decke über alles, was sonst stört. Eine Bank, leer. Darauf eine rote Sturmlaterne. Man weiß sofort, was dieses Bild erzählen will. Und genau da beginnt das Problem.
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Kein Ziel. Kein Plan. Kein Fortschritt.
Ein Feldweg im Schnee, kein Ziel in Sicht und kein Versprechen im Kleingedruckten: Während anderswo Fortschritt gepitcht, Zukunft beschworen und Alternativlosigkeit simuliert wird, liegt diese Landschaft einfach da und verweigert jede Teilnahme. Keine Roadmap, kein Update, keine Vision – nur Spuren von jemandem, der losgegangen ist, ohne vorher ein Strategiepapier zu lesen. Der Wald im Hintergrund steht unbeirrt herum, völlig unbeeindruckt von Cloud, Transformation und Innovationszyklen, und beweist damit etwas höchst Unangenehmes: Dass Stabilität auch ohne Dauerbeschallung, Optimierung und Purpose-Claims existieren kann. Ein Bild wie ein stiller Affront – gegen Tempo, gegen Bedeutungshuberei, gegen die Idee, dass alles ständig irgendwohin muss.
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Betriebsstätte im Kopf des Algorithmus
Ich habe keinen Betrieb. Keine Angestellten, keine Kundschaft, kein Klingelschild mit Öffnungszeiten. Kein Faxgerät im Flur, keine Kaffeemaschine für Mitarbeitende, keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer im Kopfkissen. Und trotzdem bekam ich Post vom Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Betreff: „Rundfunkbeitrag für Ihre Betriebsstätte“. Aktenzeichen inklusive. Das Ganze wirkte erstaunlich entschlossen für etwas, das es schlicht nicht gibt.
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Machtfantasien des weltpolitischen Bodenpersonals
Während in der Air Force One Drohungen ausgesprochen, Länder markiert und die Weltordnung neu sortiert wird, steht in Bettendorf eine Krippe.
Keine Forderungen, keine Eskalationsstufen, kein „Deal des Jahrhunderts“.
Nur Holz, Licht und die Erzählung davon, dass Macht auch ohne Drohgebärden existieren kann.
Unvorstellbar?
Nicht ganz.

